Grischas erste Honigernte
Meine erste Honigernte
Jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt.

Von meinem persönlichen Weg zur Imkerei habe ich bislang wenig berichtet. Letzten Endes war es einer meiner Nachbarn, der als erfahrener Imker bereit war, sich all meinen Fragen zu stellen und mich Stück für Stück an die Imkerei herangeführt hat (quasi Spubi, nur, dass es die Plattform zu dem Zeitpunkt noch nicht gab ;-)).

Stück für Stück und doch mit "Turbo"

Die Imker unter uns werden sich gerne an 2020 zurückerinnern: früh warm, tollstes Bienenwetter und entsprechend auch ein tolles Bienenjahr. Wir hatten alle Hände voll zu tun, haben ein "Bienengrundstück" hergerichtet, Beuten gebaut, Schwärme gefangen (gleich mehrere) und hatten auch früh im Jahr die Aussicht auf eine Frühtracht-Ernte. Die Zeit schien zu fliegen. Für mich als Neuling natürlich auch nochmal besonders spannend, wie das Gold der fleißigen Bienchen in die endgültige Verzehrform (hier Honigglas) gebracht wird. Ich war daher sehr aufgeregt, als es hieß "halt dir das kommende Wochenende frei, da geht es los".

Doch zunächst hieß es vorbereiten:

Penibelst werden der Ort des zukünftigen Geschehens und alle benötigten Werkzeuge (Entdeckelungsgeschirr, Schleuder, Hobbock, Eimer uvm) gereinigt. Dann wurde gegen Ende der Woche getestet: Per Blickkontrolle und unter zu Hilfenahme eines Refraktometers" wird geschaut, ob der Honig die notwendigen Voraussetzungen zur Entnahme erfüllt. Bingo - sieht alles bestens aus. Anschließend haben wir die sog. Bienenfluchten gesetzt (eine Art Filtersystem, welches die Honigbienen aus dem Honigraum in den Brutraum zurücklässt, aber den Bienen den Honigraum nicht länger zugänglich macht). Das Ergebnis: ein (nahezu) bienenfreier Honigraum, der so wie er ist, vom Bienenstock gehoben werden kann. Hier war ich froh, dass wir zu Zweit waren, denn ein voller Honigraum (für die Imker: 10 Rähmchen Zander) ist echt "sau-schwer". Die Honigräume haben wir dann zum "Imkerraum" gebracht, um sie dort 'abzuschleudern'.

Ab hier wird's klebrig.

Mit einer Art Mischung aus Gabel und Löffel (Entdeckelungsgabel) kratzen wir die Wachsschicht von den vollständig "verdeckelten" Honigwaben. Verdeckelt heißt, dass die Bienen über die mit Honig gefüllten Wabentöpfchen eine dünne Schicht Wachs ziehen und die Wabe so verschließen. Dem Honig einer verdeckelten Wabe wurde fast vollständig das Wasser entzogen und er ist dort bereits so, wie wir ihn später auch gerne genießen.

Nun stehe ich da mit Schürze und der Entdeckelungsgabel und schabe vorsichtig die oberste Wachsschicht von der Wabe. Zum Vorschein kommt ein tolles Produkt: feinster Blühtenhonig. Jetzt bloß nicht nachgeben und die Zunge dranhalten - Hygiene hat oberste Priorität, wir arbeiten mit einem Lebensmittel. Das wird mir immer wieder eingebläut. Der Ehrgeiz ist groß, ein so reines Produkt nicht zu verunreinigen und dem persönlich qualitativ hohem Anspruch gerecht zu werden.

Honig marsch!

Sobald ich die ersten 4 Waben entdeckelt habe, werden diese in die Schleuder gesteckt. Ein mit Strom betriebener Motor röhrt auf und dreht die Waben so schnell, dass der Honig der Waben an die Topfwand der Schleuder spritzt und seitlich nach unten abläuft. Nach einer Weile hat sich am Boden des Topfes eine beachtliche Menge des flüssigen Golds gesammelt. Der gesamte Raum duftet herrlich nach Honig. Gleichzeitig ist es sehr warm, wir haben Fenster und Türen geschlossen, damit keine Bienen - angezogen durch den Honigduft - dazukommen. Irgendwann ist es soweit, die Waben wurden gedreht und sind nun leer. Die Menge im Schleudertopf ist beachtlich - bis zu 4 KG kann eine einzelne Wabe wiegen, ein Großteil davon ist Honig. Jetzt wird die untere Öffnung des Topfs geöffnet -ähnlich wie bei einer Schleuse- und der Honig fließt heraus - "Honig marsch" heißt es. Der Honig wird nun mehrfach gefiltert, von grob nach fein, da er doch noch größere Verunreinigungen enthält (uA z.B. Wachsreste).

Von der Schleuder durch die Filter bahnt sich der Honig seinen Weg in Eimer. Es ist ein tolles Bienenjahr 2020, sodass wir gleich mehrere Eimer benötigen. Auf die oben beschriebene Weise machen wir immer weiter bis alle Honigräume abgeschleudert sind. Rückblickend war es aufregend, spannend und einfach toll, aber auch eine aufwändige und anstrengende Arbeit, die viel Vorbereitung seitens der Bienen aber auch des Imkers benötigt. Das Ergebnis war eine absolut leckere Frühtracht, deren Werdegang ich seit Beginn des Jahres verfolgen durfte und auf die ich sehr stolz bin (eig war, denn leider habe ich sie schnell aufgegessen :-)).

Die Honigernte, ein prägendes Erlebnis

Ich erinnere mich gerne an meine erste Honigernte zurück und hoffe, dass über Spubi mehr Bienenfreunde den Zugang zu einem Imker finden und in die gleiche lehrreiche und begeisternde Welt entführt werden können. Mein Bezug zu Honig wurde dadurch nachhaltig verändert. Nicht nur, weil ich mich entschlossen habe, selbst Imker zu werden, auch weil ich nun weiß, wie viel Arbeit und Mühe selbst in dem kleinsten Honigglas steckt.


Eure Spubis (hier: Grischa)